Reisebericht Teneriffa

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Königin der Kanarischen Inseln

Hätten T-Shirts und Sandalen doch im Schrank bleiben sollen? Im Schneegestöber und mit enteisten Tragflächen startet unser Flug in Richtung Teneriffa. Die Ankunft auf der kanarischen Insel bringt Entwarnung bei 22 Grad und Sonnenschein.

16.01. - 23.01.2016

Reisebericht

Die 25 Reiseteilnehmer der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung erkunden die Insel von Nord bis Süd und Ost bis West. Der Norden besticht besonders durch wundervolle grüne und blühende Landschaften, es gedeihen auf malerische Art und Weise Strelitzien und Bougainvilleen. Grund dafür sind die Nordost-Passatwinde. Im Süden hingegen ist die Landschaft karg und trocken, durchschnittlich ist es hier einige Grad wärmer und Regen wie auch Wind sind nur selten anzutreffen.

Ziel unseres Tagesausfluges ist der Pico del Teide. Mit seinem kahlen, oft schneebedeckten Gipfel hebt sich der Berg deutlich aus dem Inselmassiv hervor. Er ist 3718 Meter hoch und der drittgrößte aller Inselvulkane der Welt. Nur mit einer schriftlichen Erlaubnis kann der Teide bis zum Gipfel erklommen werden. Der kleineren Vulkan Chinyero spuckte zum letzten Mal im Jahre 1909 Feuer und Asche. Über flüssige Lava führt uns der Weg ins Besucherzentrum. Hier erfahren wir, dass Teneriffa durch mehrere Vulkanausbrüche erst nach und nach entstanden ist.
Die berühmtesten Felsformationen in diesem Gebiet sind die „Los Roques“. Einer dieser Felsen ist der sogenannte „Finger Gottes“. Er ist auf vielen Postkarten zu finden und thronte auf dem früheren 1000 Peseten-Schein.

Wir verlassen die bizarre Felsenwüste und machen uns auf den Weg an die westliche Nordküste in die kleine Ortschaft Icod de los Vinos. Der Ort beherbergt das weltweit älteste Exemplar eines Drachenbaumes, dessen Alter auf gut 800 Jahre (oder älter) geschätzt wird. Sein Alter kann man auch nur schätzen, da es eigentlich kein Baum, sondern ein Agavengewächs ist, welches keine Jahresringe bildet, an denen man das Alter ablesen könnte. Mit seinen sechs Metern Umfang und siebzehn Metern Höhe ist er der größte und älteste Drachenbaum der Welt. Seine Altersschwäche sieht man dem Baum nicht an. Aufwendig wird der Drachenbaum gestützt, mit Seilen gestreckt und gezogen und die Hohlräume der Hauptstämme mit Beton und Zement ausgegossen. Schon unter den Ureinwohnern, den Guanchen galt der Drachenbaum als heilig. Die Rinde anritzend, fließt eine blutrote Flüssigkeit, die in Zusammenhang mit Luft gerinnt und sich ähnlich wie Blut verfestigt.

Unsere nächste Inselrundfahrt führt uns durch das Anaga-Gebirge. Es erstreckt sich über den gesamten Norden bis hin zur Hochebene von La Laguna. Das Gebirge liegt im Bereich des Nordost-Passats. Bis in die mittleren Höhenlagen wächst dichter Lorbeerwald. Das üppige Wachstum ist möglich durch die immer wiederkehrenden Passatwolken. An den langen Nadeln der Kiefern kondensiert die Feuchtigkeit der Wolken, tropft als Wasser auf den Boden und versickert.
Das subtropische Klima lässt die Weihnachtssterne, die wir nur in Blumentopfgröße kennen, dort als Bäume wachsen. Auch das Heidekraut wächst überdimensional. Hier gibt es derart üppige, subtropische Pflanzen wie auf keiner anderen der kanarischen Inseln.
Taganana liegt an der Nordspitze der Insel Teneriffa und konnte bis 1960 nur über Maultierpfade erreicht werden. Es strahlt viel Ursprünglichkeit und zugleich Harmonie aus wie selten ein Dorf. Es gibt typisch kanarische Bars, Tavernen und Restaurants. Auf den Speisekarten finden wir original kanarische Speisen. Taganana ist bekannt für seine guten Fischrestaurants und wir kommen in den Genuss frisch gegrillter Barsche.
Die Straße nach Taganana ist eine Sackgasse und so fahren wir die Serpentinenstraße wieder zurück bis nach San Andres. Der Playa Las Teresitas Strand ist der größte künstlich angelegte Sandstrand der Welt. Der Hausstrand der Inselhauptstadt Santa Cruz versprüht mit den Palmen karibisches Flair. In den siebziger Jahren wurden tausende Tonnen hellgelben Saharasandes per Schiff herangekarrt.

Unsere Reisegruppe staunt nicht schlecht – Pyramiden auf Teneriffa! Die Pyramiden von Güimar sind auf der ganzen Insel und international bekannt geworden durch den norwegischen Anthropologen Thor Heyerdal. Er hat bei einem Besuch auf der Insel die Einzigartigkeit und die Bedeutung der Pyramiden erkannt. Solche Stufenpyramiden gibt es in Ägypten, Mexiko, Peru und auf Teneriffa. Sie haben sehr große Ähnlichkeit mit den terrassenförmig errichteten Pyramiden der Inkas. Mit einer geometrischen Genauigkeit sind die Treppen immer an der westlichen Seite erbaut, so dass man immer der aufgehenden Sonne entgegengeht. Die Ähnlichkeiten der speziellen Bauweise führte zu der Vermutung, dass schon vor Columbus ein Austausch zwischen den Zivilisationen zu beiden Seiten des Atlantiks stattgefunden haben muss. Im Anschluss lernen wir einige der weltweit giftigsten Pflanzen im angrenzenden Giftgarten kennen.

Der Jardín Botanico beheimatet keine Giftpflanzen, dafür aber Urwaldriesen, die einen gigantischen Eindruck bei den Reiseteilnehmern hinterlassen. Angelegt wurde der Botanische Garten im Jahre 1788 vom spanischen König Karl III., um tropische Pflanzen an das dortige Klima zu gewöhnen.

Unweit unseres Hotels in Puerto de la Cruz befindet sich eine weitere Attraktion Teneriffas, der Loro Park. Zwischen tropischen und subtropischen Pflanzen sind neben mehr als 300 Papageienarten auch Delphine und Wale in offenen, mit Zeltaufbauten überspannten Amphitheatern zu sehen. Naturschutz und exzellente Tierhaltung haben einen hohen Stellenwert und die professionellen Shows finden vor einer herrlichen Naturkulisse statt. Bei der Orca-Show waren die ersten Reihen von mutigen Zuschauern besetzt, die sich von den Meeresriesen zu einer Dusche einladen ließen.

Die Fährüberfahrt nach La Gomera dauert nur etwa 40 Minuten und schon beim ersten Anblick der zerklüfteten, grünen Insel kommt Vorfreude auf. Die zweitkleinste Insel des Kanaren-Archipels begeistert die Naturliebhaber unter uns.
Vom Fähranleger in San Sebastian aus fahren wir zum Parque Nacional Garajonay. Der Nationalpark befindet sich auf 800 bis 1500 m über NN. Der dichte, immergrüne Loorbeerwald, der von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen wurde, hat etwas Mystisches. Die Baumrinden sind von grünem Moos überzogen, die Äste wirken, als wären sie in einem Netz aus Spinnweben gefangen und Luftwurzeln hängen bizarr herab. Die dichten Nebelschwaden des Passatwindes liefern auch hier das feuchtigkeitsspendende Nass. Mehr als zwei Drittel des Wassers der Insel wird so per Kondensation produziert. In den Zeiten vor Telefon und Internet haben die Einwohner von La Gomera mit der Pfeifsprache El Silbo eine weltweit einzigartige Sprache entwickelt, mit der sie sich über die zahlreichen Schluchten hinweg miteinander verständigen konnten.
Unsere Überfahrt nach Teneriffa führt uns durch eine Meerenge und wir können Ausschau halten nach Meeressäugern wie Delfinen, großen Tümmlern, sowie Pott- und Finnwalen. Der Reichtum ihrer Meeresgründe und die ausgezeichneten Wassertemperaturen bilden den Lebensraum für diese große Vielfalt an Meeresbewohnern.

Die Reise in eine andere Kultur geht zu Ende. Vieles hat sich seit Einführung der Demokratie auf Teneriffa im Jahr 1982 durch König Juan Carlos geändert, Traditionsbewusstsein und Ursprünglichkeit sind geblieben. Davon konnten wir viel sehen und erleben auf dieser Insel mitten im Atlantik. Wir tanken die letzten Sonnenstrahlen auf der Insel des ewigen Frühlings und fliegen in unsere winterliche Heimat Schleswig-Holstein zurück.

Martina Burbach