Reisebericht Sri Lanka

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Kleinod im Indischen Ozean

Schaut man auf den Globus, dann hängt Sri Lanka wie ein Tropfen unter dem indischen Subkontinent. Diese zauberhafte Insel von der Größe Bayerns ist aber eher mit einer kostbaren Perle zu vergleichen, so viele Schätze bietet sie dem Besucher.

08.03. - 21.03.2014

Reisebericht

Schaut man auf den Globus, dann hängt Sri Lanka wie ein Tropfen unter dem indischen Subkontinent. Diese zauberhafte Insel von der Größe Bayerns ist aber eher mit einer kostbaren Perle zu vergleichen, so viele Schätze bietet sie dem Besucher.

Viele Namen hatte Sri Lanka im Laufe der Zeit, worunter der uns geläufige Namen Ceylon erst durch die europäischen Kolonialherren etabliert wurde. Für die Singhalesen war es die „Löweninsel“, für die Araber „die Bezaubernde“ und die heutige Bezeichnung könnte man als das „königlich leuchtende Land“ übersetzen. Und es leuchtet wahrhaftig, besonders in den verschiedenen Landschaften, mit dem Sonnengelb der Strände und dem satten Grün des Waldes.

Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. erklärte der damalige König ein Areal nahe seiner Hauptstadt zum Refugium für Tiere aller Art und schuf damit das wohl älteste Naturschutzgebiet der Welt. Und der Lust am Beobachten von wilden Tieren kann man immer noch ausgiebig frönen. Bis hin zum Leoparden, der sich allerdings selten zeigt, kommt dann einer in die Nähe des offenen Jeeps, flüstert sogar der Wildhüter aufgeregt und versucht einen Schnappschuss mit dem Smartphone. Auch die Elefantenpopulation hat sich erholt, so kann es geschehen, dass ein Dickhäuter seelenruhig über die belebte Straße marschiert und den Verkehr zum Erliegen bringt.

Elefanten sind nicht nur geschützt, sondern werden auch besonders gehegt. Das geschieht ganz sichtbar im Elefantenwaisenhaus in Pinnawela, in dem die kleinen Waisen zum Vergnügen der kleinen und großen Zuschauer die Flasche bekommen. Aber auch verletzte Tiere werden dort versorgt, und alle können bis an ihr Lebensende dort verbleiben. Insgesamt leben noch bis zu 6.000 Elefanten in der freien Wildnis.

Derweil piepst, kreischt und flötet es über den Wipfeln der Bäume, die Vogelwelt entfaltet sich in ihrer ganzen Vielfalt und Farbigkeit. Laut einer offiziellen Liste kommen auf der Insel 430 Arten vor, darunter auch einige, die nur hier existieren. Viele Vögel entzücken das Auge mit ihren Farben, wie etwa der Eisvogel oder der Bengalspint.

Und überall duftet es, Blumen blühen in einer geradezu überwältigenden Pracht und Fülle, darunter die schönsten Orchideen – besonders gut präsentiert im Botanischen Garten Peradeniya bei Kandy, der schon 1371 angelegt wurde und in dem es auch einen etwas grotesken Bereich der Staatsbesucherbäume gibt, in dem immerhin der ehemalige Bundeskanzler Kiesinger bei einem Besuch einen Baum pflanzen durfte.

Berühmt ist Sri Lanka von jeher für seine Kräuter und Gewürze - Zimt, Nelke, Muskatnuss, Kardamom, Pfeffer und Vanille - die alle reichlich in den Ebenen der Feuchtgebiete und im Bergland wachsen. Wertvolle Nutzhölzer wie Eben-, Teak- und Mahagonibäume gedeihen auf der Insel ebenfalls.

Reis- und Teeanbau sind die beherrschenden Wirtschaftszweige, wobei die Teepflanze erst durch die Engländer auf die Insel gebracht wurde. Nach Indien und China ist Sri Lanka der drittgrößte Tee-Exporteur der Welt, und wer kennt nicht den berühmten Ceylontee! Dominieren Reis und Teepflanzen im Inneren der Insel, so der Fischfang an den weiten Stränden, zu denen die Boote am Morgen mit ihrem Fang zurück kehren. Und wer hat nicht schon Fotos von den pittoresken Anglern gesehen, die auf hohen Stöcken kauernd, versuchen eine Mahlzeit zu ergattern.

Ein Land, in dem seit jeher Pflanzen wegen ihrer heilenden Kräfte für die einheimische (ayurvedische) Medizin gepflegt und gesammelt werden, verehrt seit über zwei Jahrtausenden den Bodhi-Baum, den ältesten historisch dokumentierten Baum der Welt, unter dem Buddha seine Erleuchtung gefunden haben soll.

Und so ist die Verflechtung zwischen Natur und Religion ein bestimmender Faktor in Sri Lanka. In Kandy befindet sich zudem eines der bedeutendsten Reliquien des Buddhismus, ein Eckzahn des Erleuchteten, den eine Anhängerin aus der Asche gerettet habe soll. Er ist dann, der Legende nach, von einer Prinzessin im Haarknoten  auf die Insel geschmuggelt worden und war dann sofort eine Insignie der Macht. In Kandy, der alten Königsstadt, wird er jeden Tag in einem goldenen Schaugefäß der Menge der von weit her gereisten Pilger und der staunenden Touristen präsentiert, die beim Vorbeidefilieren nur einen kurzen Blick auf dieses Heiligtum werfen dürfen.

Wenn dann ein buddhistischer Mönch, dem höchsten Respekt und Verehrung entgegen gebracht wird, aus seiner Kutte einen Fotoapparat zückt und um ein Gruppenfoto ersucht, dann sind alle wieder in der Gegenwart angekommen, und die Insel verabschiedet seinen Besucher mit ihrem Wahlspruch: „Was immer du tust, tu es mit einem Lächeln.“

Torsten Gerhardt