Reisebericht Ostfriesland

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Urlaub soweit das Auge reicht

Inselhopping der entspannten Art: 32 Leser der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung machten sich per Reisebus auf nach Ostfriesland ...

23.04. - 28.04.2017

Reisebericht

... und entdeckten die Geheimnisse der ostfriesischen Teezeremonie, die Schönheiten der vorgelagerten Inseln und die Weite der Wasserstraßen rund um Emden. Dank vieler charmanter Reiseführer vor Ort war schnell klar: "Ostfriesland is heel wat besünners!"
Gleich der erste Tag stimmt die Reisegruppe auf Sonne, Meer und Weite ein. In Wilhelmshaven geht es mit der MS Harle Kurier raus zu den riesigen Containerschiffen und den neuesten Marine-Errungenschaften. Hier im einzigen Tiefwasserhafen Deutschlands löschen bis zu 350.000 Tonnen schwere Supertanker ihre Fracht.
An den folgenden Tagen stehen dann drei der sieben ostfriesischen Inseln im Rampenlicht: Norderney, Langeoog und Borkum. Vor allem Langeoog hat es den Gästen aus dem Norden angetan. Denn die Insel ist einfach schnuckelig und Inselführerin Fiona Wettstein versteht es hervorragend, die Gruppe zu begeistern. "Hier haben wir gute Luft, es gibt keine Autos, der Strand ist vor der Nase und wir haben immer gutes Wetter", erzählt sie strahlend. "Das ist ein gemütliches Leben." Sie selbst zog vor zwanzig Jahren aus dem Schwarzwald wegen der Liebe auf die Insel und hat es nie bereut. "Auch wenn alles hier 20 Prozent teurer ist und man von der Schifffahrt abhängig ist."
Ab dem 14. Jahrhundert wurde Langeoog besiedelt. Inzwischen leben hier 1.800 Einwohner. Ein Denkmal erzählt, dass hier auch einst die berühmte Sängerin Lale Andersen ("Lilli Marleen") wohnte. Auf dem Dünenfriedhof der Insel wurde sie begraben. Ein paar Schritte weiter regt ein einstiges Bordellschiff auf dem Altarbild der Inselkirche zum Nachdenken an. Geschaffen wurde das Gemälde von Hermann Buß aus Norddeich. Draußen scharren die beiden schwarzen Friesenpferde "Olli" und "Sibine" von Kutscher Rolf Wiltz-Falke mit den Hufen. Sie warten auf die nächsten Kunden. Auf diesem Weg hatte auch schon die Kieler und Segeberger gleich nach der Ankunft die Insel von allen Seiten kennengelernt.
Viel Spaß gibt es auch im Emdener Binnenhafen. Hier lotst Hafenmeister Günter Laurenawitz höchstselbst durch die vielen Grachten und sorgt für unzählige Lachfalten, wenn er nebenbei locker aus seinem Privatleben plaudert. Er erzählt von seinen fünf Schwestern, seinen beiden Töchtern und dass er doch zu gerne einmal unterm Tannenbaum mit einer Carrera-Rennbahn spielen würde, aber stattdessen mit Lilli Lockenlicht Frisuren stylen muss. Langsam gleitet das Schiff durch das Wasserstraßennetz, dass rund 300 Kilometer umfasst. Emden selbst ist auf zigtausenden von Pfählen gebaut. Überall ist es fast so grün wie am Amazonas. Wieder an Land bleibt leider keine Zeit fürs Otto-Museum. Dafür kann aber der riesige Ottifant bewundert werden, der mit seinem Dickschädel die Hauswand sprengt.
Tja, die Ostfriesen und der Tee. Auch das ist ein Kapitel für sich. 300 Liter trinkt jeder Ostfriese im Jahr. Das ist das zwölffache der Menge, die der Durchschnittsdeutsche zu sich nimmt. Und noch herrscht auch keine Einigkeit, ob denn nun Bünting Tee oder Thiele Tee besser ist. Aber fest steht, dass man fürs Teetrinken in Ostfriesland viel Zeit braucht. Da geht es ums Knistern der "Kluntjes" (Kandis), um die richtige Führung des "Rohmlepels" (Sahnelöffel), der gegen den Uhrzeigersinn geschwenkt wird, um die Zeit anzuhalten und um die schönste "Wulkje" (Sahnewölckchen) in der kleinen Tasse. Und ganz wichtig: Bloß nie umrühren! Nach eineinhalb Stunden sind auch die Norddeutschen fit im Teetrinken auf Ostfriesenart. Mit einem lockeren "Holl di munter" (Auf Wiedersehen) und vielen unvergesslichen Eindrücken geht es schließlich wieder Richtung Heimat. Von Kristiane Backheuer