Reisebericht MS SANS SOUCI

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von Straßburg nach Kiel

Die Stadt Kiel schläft fast noch, als sich 68 Kieler an der Oper zum KN- / SZ- Leserreise mit MS SANS SOUCI treffen. Bevor das Schiff erreicht ist, ...

20.07. - 02.08.2016

Reisebericht

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müssen wir allerdings noch rund 800 km per Bus zurücklegen, denn die Einschiffung erfolgt in Straßburg. Die Stadt an der Ill empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein, sodass auf der Stadtrundfahrt der Sonnenschutz unser ständiger Begleiter ist. Wir sehen hier u.a. das imposante Münster und das romantische Viertel Petite France mit seinen schönen alten Fachwerkhäusern.
Am nächsten Morgen legt MS SANS SOUCI ab und beginnt ihre Fahrt flussabwärts. Vater Rhein folgen wir auf seinem Weg aus den Bergen hinunter zur Nordsee bis nach Amsterdam. Auf dem Weg dorthin passieren wir u.a. Speyer, wo uns am Abend ein Ratsherr und ein Mönch „Erschröckliches“ aus dem Mittelalter zu berichten haben. Ein schaurig amüsanter Tagesabschluss.
Auch die Stadt Mainz ist gut zu Fuß zu erkunden. Auf dem Wochenmarkt rund um den Dom - den wir während einer Führung kennenlernen - werden viele lokale Spezialitäten angeboten. Im Gutenbergmuseum dann stehen wir ehrfurchtsvoll vor den Seiten zweier originalen Gutenberg-Bibeln aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Während einer Vorführung lernen wir, wie die Drucktechnik in Deutschland seinen Siegeszug begann.
Rheinabwärts passieren wir die Loreley, über die schon Heinrich Heine sein berühmtes Gedicht „Die Lore-Ley“ verfasste. Imposant wacht am Deutschen Eck das Standbild von Kaiser Wilhelm I. über den Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Gar keinen Blick dafür haben die zahllosen Jugendlichen, die hier am Abend per Smartphone auf der Jagd nach dem Pokémon go sind.
In Köln bewundern wir bei strahlendem Sonnenschein den weltberühmten Dom und natürlich die beiden Kölner Originale Tünnes und Schäl, denen folgender Wortwechsel zugeschrieben wird: Der Tünnes sagt zum Schäl: „Schäl, ich glaube, deine Frau betrügt uns!“
Hoch hinaus geht es in Düsseldorf, wo wir in 168 m Höhe vom Rheinturm einen tollen Blick auf die Metropole am Rhein und die Umgebung haben.
Die Niederlande begrüßen uns mit der Stadt Arnheim. Bei einem abendlichen Rundgang erfahren wir viel über typischen Giebelhäuser und die ungewöhnliche Nutzung vieler Kirchen. Die werden heutzutage nämlich oft nicht mehr als Gotteshäuser genutzt, sondern für weltliche Festivitäten, als Restaurant oder für einen Bücherflohmarkt.
Staunend stehen wir in Amsterdam im Rijksmuseum vor Rembrandts „Nachtwache“. Unsere Gästeführerin erklärt und leidenschaftlich das berühmte Bild und wir entdecken dank ihrer Erläuterungen das eine oder andere Detail, das uns allein nie aufgefallen wäre.
Hoorn dann entspricht genau der Vorstellung von einer holländischen Kleinstadt: Giebelhäuser säumen die Straßen, Grachten durchziehen die Stadt und historische Flachbodensegler liegen im Hafen. Weniger lieblich ist es dann auf dem Ijsselmeer, dem größten See der Niederlande. Ein kräftiger Wind wühlt das Wasser ordentlich auf, sodass das Schiff gehörig durchgeschüttelt wird. Während des Mittagessens klatschen hin und wieder Wellen gegen die Fenster.
Bombastisch wird es tags darauf in Papenburg in der Meyer-Werft. Die Fertigungshallen und die Schiffselemente sind einfach gigantisch, beeindruckend ist die Logistik und die Präzision, mit der hier im Emsland Schiffe für gut 6 000 Personen gebaut bzw. zusammengefügt werden. Die Produktionsvorgänge, die in Zeitrafferfilmen veranschaulicht werden, erinnern uns an das Spielen mit Steckbausteinen.
Ein weiteres technisches Wunderwerk, das allerdings schon über 100 Jahre alt ist, sehen wir in Minden: das Wasserstraßenkreuz. Es zeugt schon von großartige Architekturkunst, den Mittellandkanal über das Tal der Weser hinwegzuführen und über verschiedene Schleusen Abbiegemöglichkeiten vom Kanal zum Fluss und andersherum zu schaffen.
In Edesbüttel verlassen wir den Mittellandkanal und fahren nordwärts durch den Elbe-Seiten-Kanal. Um in die Elbe zu gelangen, wird MS SANS SOUCI im Schiffshebewerk in Scharnebeck ca. 38 m angehoben. Elbabwärts passieren wir Hamburg mit der weithin sichtbaren Elbphilharmonie und dem wunderschönen Elbhang in Blankenese, um in Brunsbüttel in den Nord-Ostsee-Kanal einzufahren. Nach ca. 100 km erfolgt die letzte Schleusung in Kiel-Holtenau, und unser Schiff macht am Ostsee-Kai fest.

jan mertens