Reisebericht Malta -

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Insel zwischen Orient und Okzident

Valletta ist Europas Kulturhauptstadt 2018 – Anlass genug für 18 Leser der KN/SZ, Malta bereits vor dem großen Spektakel zu erkunden. Denn nach fast 40 Jahren herrscht wieder Leben in den legendären Hafenkneipen. Der Tourismus auf der Insel boomt.

14.11. - 19.11.2017

Reisebericht

„Den wilden Hund von der Kette lassen“, so nannten Matrosen einst einen Landgang in Valletta, der Hauptstadt von Malta. Denn auf der Mittelmeerinsel lockte die Strait Street, bis in die 1970er Jahre das berühmteste Amüsierviertel zwischen Suez und Gibraltar – zumindest für die Marinesoldaten der britischen und US-amerikanischen Navy.

KN-Leserin Cornelia Müller besuchte im Jahr 2000 das erste Mal den Inselstaat im Mittelmeer. „Die Landschaft ist zwar überwiegend karg, aber umso interessanter ist die Geschichte Maltas. Herrscher und unterschiedlichste Kulturen haben dieses Land geprägt, das spürt man an jeder Ecke“, sagt die 63-Jährige. Zusammen mit Reiseleiterin Wiebke Micallef Eynaud ist die Kieler Gruppe auf Spurensuche gegangen.

Zum abwechslungsreichen Programm gehörten in den fünf Tagen unter anderem ein Rundgang durch die Ritterherbergen, den Großmeisterpalast und die Festung von Valletta, das Fischerdorf Marsaxlokk, die mittelalterliche Stadt Mdina sowie Dingli-Klippen. Ein echtes Highlight war die Fahrt in die Blaue Grotte. Aufgrund des Sturms konnten die Bootsführer tagelang keine Besucher in die Höhle fahren, doch als die Kieler Reisegruppe an der Südküste eintraf, machten die Skipper klar Schiff.

Noch ursprünglicher geht es auf Gozo zu, allerdings ist Maltas Schwesterinsel schon lange kein Geheimtipp mehr. Aufgrund der politischen Spannungen in einigen nordafrikanischen Ländern ist Malta mittlerweile ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrttouristen geworden. Dennoch: „Hier lassen sich noch unberührte Plätze finden“, so Cornelia Müller. Auf Gozo werden jedoch schon bald die Bürger darüber abstimmen, ob ein Tunnel beide Inseln verbinden soll. „Viele junge Leute verlassen Gozo und suchen sich eine Wohnung auf der Hauptinsel, um Arbeitsstelle und Universität schnell zu erreichen. Deshalb sieht es danach aus, dass der Tunnel gebaut wird. Dann würde Gozo allerdings noch mehr Charme verlieren“, befürchtet Micallef Eynaud, die vor 28 Jahren ihren Ehemann in dem kleinen historischen Theater von Valletta kennengelernt hat und seitdem auf Malta lebt.

Spätestens als sie während der Stadtführung in Mdina eine Runde Pastizzi (Blätterteigtaschen mit Erbsenpüree oder Ricotta) als Pausensnack verteilte und dazu das maltesische Erfrischungsgetränk Kinnie (mit Pomeranze und Kräutern) reichte, waren die Leser dieser Zeitung endgültig auf Malta angekommen. „Viel hat sich eigentlich nach 17 Jahren nicht verändert“, meint Cornelia Müller, „aber die kleinen Städte sind gewachsen, die Bautätigkeit hat enorm zugenommen“.

Die Zeit der wilden Hunde ist vorbei. Die Straßen Maltas wurden entstaubt. Seit vor fünf Jahren Valletta der Titel „Kulturhauptstadt 2018“ verliehen wurde, putzt sich die Stadt heraus – und davon profitiert die ganze Insel.

Sven Hornung