Reisebericht Mallorca

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Mehr als nur Strand

Nur einige Serpentinen weiter ist Schluss. Aber nicht nur wir, ganze Familien vom Kleinkind bis Oma und Opa sind gekommen. Sogar ein Übertragungswagen des mallorquinischen Fernsehens steht da. Schließlich – wann sieht man schon Kakteen im Schnee. Die Bergstraße ist ab hier gesperrt – wegen Schneefalls. Vom Aussichtspunkt gleitet der Blick über verschneite Olivenbäume. Und im Tal von Soller leuchten die Orangen und Zitronen mit den weißen Berggipfeln um die Wette. Mallorca – eine Insel der Kontraste.

22.02. - 01.03.2013

Reisebericht

Auch wer noch nie da war, hat schon viel von Mallorca gehört. Mittlerweile ist auch bekannt, dass die Insel mehr zu bieten hat, als nur Sommer, Sonne und Strand. Dennoch sind nicht nur die Mallorca-Neulinge, sondern auch die Kenner immer wieder von der Vielfalt fasziniert. Bereits beim Stadtrundgang in Palma spiegelt sich dies wider. Geschäftiges Treiben und stille verwinkelte Gassen, moderne Geschäftsstraßen und alte Markthallen, schicke Mode und stilvolle alte Häuser. Und Kaffee und Kuchen genießen wir im Ca`n Joan de S`aigo, dem ältesten Café Palmas. Serviert wird traditionell die beste selbst gemachte heiße Schokolade und enseimada – eine in Schmalz gebackene Hefeschnecke. Mmh lecker…

La Luminosa – als die Leuchtende wird das größte Eiland der Balearen auch bezeichnet. Ein Motto, das beim Bau der schönsten gotischen Kathedrale der Welt Pate stand. Tempel des Lichts wird sie auch genannt. Nicht ohne Grund, denn bei Anreise per Schiff oder Flugzeug ist der helle sandfarbene Monumentalbau, das erste, was ins Auge sticht. In der Abendsonne leuchtet die prächtige Kathedrale La Seu golden auf und überstrahlt das pulsierende Leben in der glanzvollen Hauptstadt Mallorcas. Und wenn die Sonne durch die riesigen Buntglasrosetten und die 87 Kirchenfenster einfällt, wird das kunstvolle Innere besonders reich in Szene gesetzt.

Dagegen fällt das Kloster Sant Salvador am nächsten Tag recht karg aus. Es punktet mit einem absolut einmaligen Sitz hoch auf einem steilen Berg. Mit 494 m ist der Puig de Sant Salvador im Vergleich zu seinen fernen Nachbarn im Westteil eher bescheiden, bietet aber einen fantastischen Rundblick über den Südosten der Insel. Die burgähnliche Anlage klebt wie ein Adlerhorst oben drauf und diente dem Kinofilm „Der Name der Rose“ als ideale Kulisse. Unser Busfahrer kann gleich seine Fahrkünste beweisen. Obwohl die Straße einer strengen Einbahnregelung unterliegt – es geht nur zur bestimmten Zeiten rauf oder runter, ist der Fahrweg öfters so schmal, dass er mehrmals rangieren muss, bis eine Kehre geschafft ist.

Einen lebhaften Kontrast zur spirituellen Ruhe bildet der bunte Wochenmarkt von Felanitx. Hier werden pflückreifes Obst und Gemüse der Saison, Wurst, Käse, Fisch und andere Waren für den täglichen Hausgebrauch geboten. Noch mehr Trubel empfängt uns in Sineu. Im ländlichen Zentrum der Insel trifft sich anscheinend ganz Mallorca. Zumindest am Markttag. Es wird alles geboten. Neben Traditionellem wie Brot, Käse, Wurstwaren, Oliven, Honig, Kräuter, Obst und Gemüse gibt es auch Handys, allerlei Klamotten, Lederwaren und Regenschirme. Sogar lebendige Tiere wechseln dort den Besitzer. Wie Singvogel, Geflügel,  Hund oder Katze. Ganz klein - Schnecken aus dem Krabbelkorb fürs Abendessen oder ganz groß – Esel als Arbeitstier. Und das noch genauso wie vor hundert Jahren – per Handschlag. Selbtgebasteltes, Erzeugnisse aus dem eigenem Garten oder das internationale Sortiment vom Grossisten. Unter den Händlern sind mallorquinische Bauern, als auch hier sesshaft gewordene Deutsche oder Flüchtlinge aus Afrika mit den üblichen gefälschten Designerwaren. So lange jeder sein Geschäft machen kann, kommt man miteinander aus. Vorsicht allerdings im Gedränge vor Dieben, die hier und leider auch anderswo auf Mallorca ein ideales Betätigungsfeld finden!    

Ob beim Bummel durch zauberhafte Orangen- und Zitronenplantagen im Tal von Soller oder beim Erkunden von romantischen Bergdörfern im Tramuntanagebirge. Ob ländliche Idylle mit von Natursteinmauern eingefassten Feldern oder die bizarren und gewaltigen Gebirgslandschaften des Kap Formentors. Dann gibt es noch die kilometerlangen, weißen Sandstrände von Pollença, die beeindruckenden Felsküsten von Portocolom, die Stadt Alcúdia mit ihren vielen historischen Gebäuden, reizvolle, kleine Hafenorte mit herrlichen türkisblauen Buchten, geheimnisvolle Tropfsteinhöhlen oder die einmalige Pracht blühender Mandelbäume in weiß, lila und rosa. Ob enge Gassen oder einfach die Weite des Meeres – Mallorca präsentiert uns stets eine neue Facette.

Die Inselvielfalt lässt sich auch beim Essen erkunden. Süss oder Würzig. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Im gemütlichen Es Turó in Fornalutx gefiel uns das traditionelle Pa amb oli besonders gut– Brot mit Olivenöl beträufelt und mit Käse, Serrano-Schinken und Hartwurst belegt. Und natürlich darf zur Zeit der Mandelblüte der Mandelkuchen nicht fehlen. Im Laufe der Geschichte haben einige Kulturen – Römer, Araber, Juden und spanische Einwanderer ihre kulinarischen Spuren hinterlassen. Und in den 60er Jahren des 20. Jh. kamen durch den Massentourismus Bratwurst, Pizza, Schnitzel und Co. dazu. Mallorca hat eben viele Gesichter...

Tonia Körner