Reisebericht Kroatien

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Mediterrane Schönheit und faszinierendes Kulturerbe

Eigentlich konnte bei dieser Reise gar nichts schiefgehen: Herrlichstes Wetter bis 30 Grad. Die süßeste örtliche Reiseleiterin der Welt. Zwei Ärzte und ein Wein- und Champagnerfachmann dabei. Und ganz viel gute Laune. Die KN-Leserreise nach Kroatien Mitte Mai vereinte perfekt mediterrane Schönheiten, faszinierendes Kulturerbe und harmonisches Miteinander. Vom römischen Kaiserpalast in Split (weltweit der am besten erhaltene), über die bezaubernde Altstadt von Dubrovnik und die glitzernden Krka-Wasserfälle, wo einst Pierre Brice als Winnetou vorbeiritt, bis zur wiedererrichteten Brücke Stari Most in Mostar (1993 zerstört) war alles dabei.

Untergebracht in Makarska konnten wir – wie die Spinne im Netz – für unsere Ausflüge in alle Richtungen aufbrechen und waren immer schnell am Ziel. Bei den Fahrten im klimatisierten Reisebus mit 49 Plätzen hatte unsere kleine 18-köpfige Gruppe allen Platz der Welt und obendrein noch herrliche Ausblicke auf die kroatische Riviera. Reiseleiterin Gorjana (35) sorgte währenddessen für spannende Einblicke in die kroatische Seele. „Ja, die Männer hier sind Machos“, erzählte sie lachend. „Aber nur nach außen. Zu Hause sind sie ganz zahm.“ Sie berichtete uns von den üblichen Hochzeitsfeiern in ihrem Land mit 200 bis 300 Gästen. Rund 25.000 Euro muss das Brautpaar fürs Fest zahlen. Dafür gibt’s für die Braut einen hölzernen Aussteuerkoffer gefüllt mit gehäkelten Kostbarkeiten sowie „Pumphose und Wollsocken“, für die Jungs Weinreben-Reihen oder ein paar Olivenbäume samt Land. Typischer Brauch ist, dass die Braut einen Apfel über das Dach des neuen Zuhauses werfen muss. Klappt es, ist sie kräftig und gut genug für einen eigenen Haushalt.

Gorjana, die sechs Jahre in Heilbronn lebte, berichtete aber auch von hoher Arbeitslosigkeit (20-25 Prozent) und der Verzweiflung der jungen Leute, die keinen Job finden und deshalb Kroatien verlassen. Ordentlich schmunzeln mussten wir, als sie ein kroatisches Gedicht von Vladimir Nazor (1876-1949) aufsagte. Es ging um eine Grille und die vielen Zischlaute in den Worten klangen genau so, wie das beinreibende Insekt am Abend. Der Autor setzte sich in Kroatien dafür ein, dass die Dialekte der einzelnen Regionen nicht verlorengehen. Wir lernten auch Tin Ujeviç kennen, der von 1891 bis 1955 lebte, ziemlich düster schrieb und deshalb als Edgar Allan Poe des Landes gilt. Auch er hat Zeilen beispielsweise über Wölfe oder Käuze verfasst, die durch ihre Aussprache klingen wie die Tiere. Vom typischen Steinbrot erfuhren wir, bei dem der Teig mit einer Metallhaube voll brennender Kohlen abgedeckt wird und so gart. Ihre 92-jährige Großmutter ist eine Expertin im Backen dieser schmackhaften Köstlichkeit. Sie lebt im Hintergebirge von Kroatien, das durch die neue Autobahn (Landbesitzer erhielten allerdings nur 3,20 Euro pro Quadratmeter) immer mehr entdeckt wird. „Das Biokovo-Gebirge ist noch sehr ungezähmt und gilt als Geheimtipp von Dalmatien“, sagt Gorjana. „So ähnlich wie die Provence oder die Toskana.“

Während der siebentägigen Reise ging es auch um den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, um das Verhältnis zu den Serben und um den damaligen Machthaber Tito („Er war ein toller Diplomat, hat aber die Religionen unterdrückt. Das konnte nicht gutgehen.“) „Hat denn nun Dalmatien, der zauberhafte Küstenstreifen Kroatiens, etwas mit den Dalmatinern zu tun?“, wollten wir wissen. „Ja, nein, vielleicht“, sagte unsere Reiseleiterin lachend. „Es wurden Höhlenmalereien mit gepunkteten Hunden gefunden, und da wären wir ja ziemlich blöd, wenn wir da nein sagen würden.“

Kristiane Backheuer

13.05. - 20.05.2015

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