Reisebericht Das Baltikum 2

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Baltische Träume

Riga Wer kennt es noch, das kleine Lied vom Ännchen von Tharau? Im Bus, mit dem unsere Leserreisengruppe nach Memel, jetzt Klaipeda fuhr, begann man zu summen und zu singen.

Aber über die erste Strophe „Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt, Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld“ kam niemand hinaus. Aufgereiht dann am Denkmal für die hübsche Maid herrschte ähnliche Ratlosigkeit. Dann aber stürzte eine weitere deutsche Gruppe herbei, verteilte vorbereitete Zettelchen mit den ersten drei Strophen des Liedes und schon ging es los. Aus voller Kehle wurde gesungen, dem Ännchen und der alten Stadt Memel hätte es gefallen.

So munter verlief die gesamte Reise ins Baltikum, und die Gastländer Estland, Lettland und Litauen nahmen die Gruppe freundlich auf. Der Himmel war blau, die Sonne lachte und einige verwegene Gäste wagten sogar ein Bad im kühlen, aber sanften Meer. Das Meer, der Strand und dann die schmale Landzunge der Kurischen Nehrung, etwas Schöneres für Nordländer ist nicht denkbar. So empfand es auch Thomas Mann, dessen formidables Haus als Museum hergerichtet wurde. Ganz in der Nähe türmt sich die hohe Düne auf, steht man auf ihrem Kamm, glaubt man die Sahara vor sich zu sehen, wenn nicht in der Ferne der Jachthafen von Nidden glänzen würde. Also warum die Mühen einer Wüstenfahrt auf sich nehmen, Nidden bietet auch mit seinen vielen Ferienwohnungen und kleinen Häuschen eine gute Alternative.

Und dann gibt es ja auch noch den Hexenberg mit seinen aufgetürmten hölzernen Ungeheuern, geschnitzt und doch scheinbar lebendig. Der Weg windet sich hindurch, es ist ein Spaß für Jung und Alt. Und wenn dann noch ein zahnloser Alter sein Akkordeon auspackt und eine süße Melodie erklingt, dann gibt es kein Halten mehr, ein Tänzchen wird gewagt, und dann noch eins, die Trennung fällt schwer.

Aber es gibt doch noch so viel zu sehen: Tallinn, die estnische Hauptstadt, in der man glaubt, im Disneyland zu sein, aber alles ist echt und alt. Und in den Kneipen brodelt das Leben. Riga, die lettische Hauptstadt, die spröde Hafenstadt am Fluss Düna, in der plötzlich überbordende Jugendstilornamente leuchten, und Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, mit ihren 52 Kirchen, schöner als der Barock des Südens. Nicht umsonst wurde Vilnius das Rom des Nordens genannt.

Nicht weniger anrührend ist das Hinterland. Tartu, das ehemalige Dorpat, leuchtet auf, das stolze und doch verträumte Universitätsstädtchen ist ein Paradies für junge Studenten. Dazwischen stolze Burgen, die über eine weite Landschaft herrschen und deren Türme zu besteigen sind. Jurmala, der alte Badeort, in dem schon die Zaren lustwandelten, und deren Holzvillen von alter Pracht zeugen. Der Berg der Kreuze, an dem sich Millionen Kreuze stapeln, als Protest gegen das alte kommunistische Regime und als Zeichen für den tiefen Glauben. Und schließlich Kaunas, ehemals auch Hauptstadt des litauischen Reiches, dort wurde geheiratet, es war Freitag der 13 und die Brautpaare hatten die Stadt erobert. Überall bis zum Ufer der Memel tummelten sie sich, die natürlich weißen Brautkleider bauschten sich im Wind, und daneben stöckelten die Brautjungfern auf ihren Highheels, bis alle in den Stretchlimousinen verschwanden.

So schön kann also eine KN-Leserreise sein, das neue Programm ist jetzt erschienen, zum Blättern, Staunen und natürlich zum Buchen.

Torsten Gerhardt

09.09. - 16.09.2013

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