Reisebericht Baltikum

ZURÜCK Kontakt PDF E-Mail

Drei Länder, Kulturen und Völker

Was für eine abwechslungsreiche Reise!

22.05. - 29.05.2016

Reisebericht

Drei Länder in acht Tagen. Drei Länder, die ähnlich erscheinen und doch unterschiedlicher nicht sein können. Das Baltikum mit Estland, Lettland und Litauen lockte die Leser der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung. Wir sahen unzählige Störche und Hunderte von Maikäfern. Wir wandelten auf den Spuren des Schriftstellers Thomas Mann und des Komikers Heinz Erhardt. Wir bewunderten riesige Bernsteinfunde und die Umtriebigkeit in der Hanse-Zeit. Wir hörten von Spezialitäten wie Wacholder- oder Knoblauchschokolade und wandelten mit verschrobenen Hexen und verzauberten Prinzen durch den Wald. Das Länder-Trio an der Ostsee hatte viel zu bieten.

Überall brodelt es vor Lebendigkeit. Die Gäste vor allem in den drei Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius sind aus allen Herren Ländern. Dazu kommen noch unzählige Kreuzfahrer, die für einen kurzen Stopp das Baltikum erobern. Gut, dass wir da ein bisschen mehr Zeit haben, die spannenden Ecken zu erkunden. Allein die mittelalterliche Altstadt in Tallinn hat mehr Beachtung verdient, als nur ein paar Stunden. Schließlich gehört der Stadtteil zum Unesco-Weltkulturerbe. Viele deutsche Adelsgeschlechter haben hier ihre Spuren hinterlassen. Im Dom zeugen große hölzerne Wappen von Mut, Macht und Kampfbereitschaft.

Mit jedem Schritt und Atemzug wird das Mittelalter mehr und mehr lebendig. Die Ratsapotheke von 1422, wo man noch immer Pfefferminzbonbons und Heilsalbe kaufen kann, die Reste der ehemaligen Stadtbefestigung, die vielen, vielen Kirchen.

Ganz anders geht es uns in Riga. Hier scheinen die Mädchen ein klein bisschen hübscher zu sein, die Mode aktueller. Im Rampenlicht stehen in der lettischen Hauptstadt aber die Jugendstilhäuser. 800 davon gibt es noch. Die schönsten sind von einem Deutschen. Von Michael Eisenstein. An seinen Bauten von 1902 und 1906 kann man sich nicht sattsehen. Blütenranken, Frauengestalten, Efeublätter, Pfauenfedern – an jeder Ecke entdeckt man verzückt immer neue Details. In einem dieser Treppenhäuser hat Heinz Erhardt seine Frau kennengelernt, erfahren wir von unserer Reiseleiterin Liene. Ob er sie da wohl schon mit einem Witz becirct hat? Auf der Weiterfahrt durch Lettland sind wir begeistert von der bezaubernden Landschaft.

Dann empfängt uns Klaipeda, das übrigens „Klepeda“ ausgesprochen wird, mit einem spröden Charme. Die Hafenkräne drehen sich in der Sonne. Die Stadt ist geschäftig. Hier an der Ostsee öffnet sich das Tor in die Welt. Auch Kiel wird täglich angefahren. Erst als wir einen Ausflug zur Kurischen Nehrung machen, öffnen sich unsere Herzen. Kein Wunder, dass Thomas Mann hier von 1930 bis 1932 im eigenen Reetdach-Häuschen Urlaub machte. Von seinem Arbeitszimmer sehen wir an Kiefern vorbei hinab aufs Meer. Hier hat er an seinem Roman „Joseph und seine Brüder“ gearbeitet. Am Hexenberg ein paar Kilometer weiter treiben uns die Mücken voran. Litauische Künstler haben hier bezaubernde Holzskulpturen geschaffen, die von alten Märchen erzählen. Hinterhältige Hexen und verschrobene Waldkobolde sind auch dabei.
In Vilnius schieben sich teure Wagen durch den Verkehr. Auf den Bürgersteigen sehen wir aber auch Bettler und arme Mütterchen, die ihren spärlichen Einkauf nach Hause tragen. 84 Prozent der Bevölkerung von Litauen besitzt Eigentum. Das Mieten einer Wohnung ist nicht üblich. Bei einer durchschnittlichen Rente von 300 Euro und einem Durchschnittsgehalt von knapp 700 Euro ziehen aber viele Familienmitglieder oftmals zusammen.

Eines übrigens können alle drei baltischen Länder gleich gut: den eigenen Kräuterschnaps herstellen. Beim Anstoßen halten wir uns aber an die Esten, denn die benutzen das schönste Wort: „Treviseks“. Prost! Wir kommen bestimmt bald wieder..

Kristiane Backheuer